Die Teilnehmer zwischen 14 und 20 Jahren verteilten sich auf Gruppen in Lörrach, Karlsruhe, Offenburg und Freiburg, erarbeiteten mit professionellen Teamleitern kleine Performances, stellten sich dem Orchester vor - und umgekehrt. In mehreren Phasen wurde dann konkret, woran jetzt alle proben: Ein 90-Minuten-Abend, der vor Leben birst und das Thema „Schrei“ in allen Facetten erkundet – von HipHop bis Beethoven, in dessen fünfter Sinfonie Chefdirigent Cambreling einen „komponierten Schrei“ sieht. Dabei werden Orchestermusiker und Jugendliche an allen Spielstätten – draußen, im Foyer, im Saal – zusammen wirken. Da greift auch mal ein Orchestergeiger zur E-Violine und ergänzt ein Heavy-Metal-Team, und Beethoven wird zur Collage mit Aktionen der Jugendlichen, die dabei auch mitten im Orchester stehen. Auf eigenen Wunsch: Bei der Konzeption hatten alle Seiten etwas zu sagen.
„Wir wollen all die Unterschiede nicht kaschieren“, sagt Cambreling. Lange feilten er und Englert an einer Dramaturgie, in der Jugendliche – darunter auch verschiedene Behinderte – sich ebenso authentisch präsentieren können wie das Orchester, das auch in „Der Schrei!“ sein besonderes Profil von Klassik bis zu jüngster Avantgarde einbringt. Vom Babyschrei über den Schrei nach Liebe und den Schrei nach Freiheit bis zum „inneren Schrei“, von der Gebärdensprache bis zur Musik der Gegenwart haben diese Abende einen Ausdruckshorizont entfalten, wie er vorher noch nie zu erleben war. Und anderswo kaum zu realisieren wäre: „Nur mit diesem Orchester kann man so ein Experiment machen“, sagt Cambreling über seine Musiker.